Mostar


Mostar
I
Mọstar
 
[»Stadt der Brücken«], Stadt in der Republik Bosnien und Herzegowina (bosniakisch-kroatische Föderation), an der Neretva, südwestlich von Sarajevo, etwa 100 000 Einwohner (je zur Hälfte Bosniaken und Kroaten); geteilte Stadt in der Herzegowina; katholischer und orthodoxer Bischofssitz; Universität (gegründet 1977, seit 1996 kroatisch); Flugzeug- und Maschinenbau, Textilindustrie, Bauxitverarbeitung, Tabak- und Nahrungsmittelindustrie; internationaler Flughafen.
 
 
Die Altstadt, die ihren orientalischen Charakter bewahrt hatte, wurde im Bürgerkrieg 1991-95 stark zerstört; auch die Brücke über die Neretva (Stari Most; Kleinod osmanischer Baukunst auf dem Balkan, Baubeginn 1566) mit zwei älteren Türmen an beiden Ufern wurde stark beschädigt und stürzte ein (9. 11. 1993), 2001 begann der Wiederaufbau mithilfe der UNESCO; Karadjoz-Beg-Moschee (1570).
 
 
Mostar, an einer Engstelle des Neretvatales entstanden, erstmals 1452 als türkische Gründung erwähnt, wurde 1552 Sitz des Begs des Sandschaks Herzegowina und im 17./18. Jahrhundert zu einer reichen Handelsstadt. Unter der Verwaltung Österreich-Ungarns (1878-1918) war Mostar Sitz der serbischen und muslimischen Opposition sowie Suffraganbistum des Erzbistums Sarajevo (ab 1881). Mostar kam 1919 an das spätere Jugoslawien und gehörte 1941-44 zum kroatischen Ustascha-Staat. - Die herzegowinische Gebietshauptstadt Mostar (1991: 126 000 Einwohner), zunächst von der »Jugoslawischen Volksarmee« sowie serbischen Milizen eingenommen und besetzt (Oktober 1991 bis Juni 1992; ab Frühjahr 1992 Belagerung), wurde nach der Rückeroberung durch kroatische Truppen (bis Herbst 1992; Flucht v. a. der serbischen Einwohner) zur Hauptstadt des am 3. 7. 1992 proklamierten kroatischen Staates »Herceg-Bosna« erklärt, der faktisch Kroatien angeschlossen war. Der bosniakisch-kroatischer »Krieg im Krieg« (Mai 1993 bis Februar 1994; am 8./9. 11. 1993 endgültige Zerstörung des Stari Most als wichtiger Verbindung zwischen Ost- und Westmostar durch kroatische Truppen) führte zur Zweiteilung der Stadt (kroatischer Westteil, bosniakischer Ostteil) und zur Errichtung einer »EU-Administration Mostar« (Abkürzung EUAM; 23. 7. 1994-31. 12. 1996, Administrator bis 31. 3. 1996: H. Koschnick); im Vorfeld war die bosniakisch-kroatische Föderation begründet worden (März 1994). Mit der schwierigen Umsetzung des Abkommens von Dayton (1995; Annex über den Status von Mostar) wurde das v. a. im bosniakischen Ostteil stark kriegszerstörte Mostar - bei großzügiger EU-Aufbauhilfe - zum Modellfall für die langwierige Reintegration der Volksgruppen in Bosnien und Herzegowina.
 
II
Mọstar,
 
Gerhart Herrmann, eigentlich G. Hẹrrmann, Schriftsteller, * Gerbitz bei Bernburg (Saale) 8. 9. 1901, ✝ München 8. 9. 1973; Lehrer, Journalist; wurde besonders bekannt durch den von den Nationalsozialisten verbotenen Karl-Marx-Roman »Der schwarze Ritter« (1933); emigrierte 1933; nach Kriegsende Leiter eines Kabaretts, danach Prozessberichterstatter; schrieb Bühnenstücke (u. a. »Meier Helmbrecht«, 1947), Lyrik, Hörspiele, humorvolle, geistreiche Essays und historische Plaudereien (u. a. »Liebe, Klatsch und Weltgeschichte«, 1966).

Universal-Lexikon. 2012.

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